Woran die Deutschen sterben


Covid-19, Rauchen, Herz
Woran die Deutschen sterben

In Zeiten der Corona-Pandemie geistern täglich neue Sterbezahlen aus allen Ländern der Welt durch die Medien. Auch in Deutschland dreht sich alles um die steigende Zahl der Covid-19-Toten. Wie sieht das im Vergleich mit anderen Todesursachen aus? Woran stirbt man in Deutschland?

Fast 1 Million Deutsche sterben jährlich

Jedes Jahr steigen die Sterbezahlen in Deutschland. Im Jahr 2017 waren es 932 272, im Jahr 2018 954 874 Menschen. Das lässt sich recht einfach auf die demografische Entwicklung zurückführen, genauer auf den immer größer werdenden Anteil der alten Menschen in der deutschen Bevölkerung. Doch auch wenn die Sterbezahlen steigen, bleibt die Verteilung der häufigen Todesursachen seit langem relativ stabil.

Es gibt viele Gründe, zu sterben

In Deutschland ist die häufigste Todesursache immer noch die Herz-Kreislauferkrankung, im Jahr 2017 waren mit 344 524 Toten immerhin rund 37% aller Sterbefälle darauf zurückzuführen. Die zweithäufigste Todesursache der Deutschen ist der Krebs: 2017 sind daran 227 590 Menschen verstorben (24,4%). Bei Männern ist der Lungenkrebs am häufigsten, bei Frauen Brustkrebs. Knapp 40 000 (4,3%) der Todesfälle in Deutschland waren nicht-natürlich, sie wurden z. B. auf eine Vergiftung oder Verletzung zurückgeführt. 1,6 % der Verstorbenen (14 677 Menschen) waren tödlich gestürzt, 9235 Männer und Frauen beendeten ihr Leben mit einem Suizid (1%).

Jährlich 74 000 Tote durch Alkohol

Verkehrstote gibt es seit knapp 30 Jahren immer weniger: Während 1991 noch 11 300 Menschen im deutschen Straßenverkehr starben, waren es 4009 im Jahr 2011 und 3059 im Jahr 2019. Durch das Rauchen kommen mehr Menschen zu Tode als durch das Autofahren: Experten schätzen, dass jährlich etwa 110 000 bis 140 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben - von etwa 12 Millionen erwachsenen Rauchern. Rund 1,7 Millionen deutsche Männer und Frauen sind alkoholabhängig, jährlich sterben etwa 74 000 an den Folgen des Alkoholkonsums. Die häufigste Todesursache ist dabei die alkoholische Leberzirrhose.

411 Tote durch Influenza

Auch die „echte“ Grippe, also die Influenza, kostet jedes Jahr viele Menschenleben. In manchen Jahren verzeichneten die Statistiker sogar bis zu 20 000 Grippetote. Die Grippewelle 2019/2020 lief zum Glück recht glimpflich ab: In einem Zeitraum von 26 Wochen (40. KW 2019 bis 14. KW 2020) sind 411 Menschen verstorben. Gemeldet wurden dem Robert Koch-Institut in diesem Zeitraum 183 531 labordiagnostisch bestätigte Fälle, was eine (vorläufige) Sterberate von etwa 0,2% ergäbe.

Die Sterberate von Covid-19 wird aktuell auf etwa 2,5% geschätzt. Sie beruht auf den seit dem 1. Fall in Deutschland (28. Januar 2020) bis zum 15. April an das Robert Koch-Institut gemeldeten 127 584 SARS-CoV-2-Infizierten, von denen 3254 verstorben sind.

Vorsicht beim Vergleich von Sterberaten

Beim Vergleich der Sterberaten von Influenza und Covid-19 ist jedoch Vorsicht geboten. Noch ist die Grippewelle nicht komplett vorbei und die Daten sind nicht vollständig ausgewertet. Bei beiden Infektionskrankheiten gibt es zudem eine hoher Dunkelziffer an nicht getesteten Infizierten.

Was die laufende SARS-CoV-2-Epidemie in Deutschland betrifft, schätzen die Experten die Rate an Infizierten bedeutend höher als die Anzahl der positiv getesteten Menschen. Es ist zwar anzunehmen, dass die absolute Anzahl der Covid-19-Toten in Deutschland noch deutlich steigen wird. Die relative Sterberate könnte aufgrund der viel höheren Anzahl der tatsächlich infizierten, aber nicht getesteten Personen am Ende deutlich niedriger sein als 2 % – und vielleicht gar nicht mehr so weit von der Sterberate der Influenza entfernt liegen.

Quellen: Destatis, RKI

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